Entkoppelt

Er ist irgendwie romantisch, unser Garten. Er liegt in einem Landschaftsschutzgebiet gar nicht so weit von einem kleinen Ort entfernt. Und doch verströmt er eine Atmosphäre von Ruhe und Abgeschiedenheit. Der Plan war, herumliegende Äste des letzten Sturms zu beseitigen, eine Dachrinne an der Gartenhütte zu befestigen, ein wenig zu streichen. Und dann dort zu übernachten – nichts besonderes. Bis ich bemerkte, dass ich mein Smartphone zu Hause liegen gelassen hatte. Interessant: Meine erste Überlegung war nicht, ob ich es überhaupt brauche, sondern wie ich es wieder bekommen könnte. Es gab aber keine Möglichkeit an ein Telefon zu kommen – ich war abgeschnitten. 

Der Kontakt mit meiner Frau ist nicht so, dass sie sich schnell Sorgen macht, wenn ich mich mal nicht melde. Also ließ ich das Thema los und gab mich der Isolation hin. Das ging erstaunlich gut, solange ich noch etwas zu arbeiten hatte. Auch die Brotzeit im Zwielicht der März-Dämmerung bei aufgeregtem Vogelgezwitscher war noch purer Genuss. Später aber wollte ich ein Fachbuch lesen, auf das ich schon sehr gespannt war. Der Mond betrachtete mich aufmerksam und jetzt war er spürbar, der Smartphone-Reflex. Wie das Flackern einer Kerze unterbrach sich meine Aufmerksamkeit wie von selbst und wanderte zu… dem nicht vorhandenen Smartphone. Wie ein Routine-Check. Grund- und anlasslose Neugier. 

Mit der Zeit aber wurden die Konzentrationsphasen länger. Sehr langsam und mir wurde klar, dass ich dabei bin, das konzentrierte Lesen längerer Texte zu verlernen. 

Mein Projekt: das Smartphone mal absichtlich vergessen. Oder noch einfacher: bewusst abschalten. 

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