Nachdenklich am Urlaubsende

Adieu Sommerurlaub! Ich stehe an einem Bahnhof; wieder auf Achse. Smartphone, Laptop und ein paar Papiere mit dabei. Den Kopf voller Pläne, die Stöpsel im Ohr und auch sonst voll auf Draht.
Doch durch meinen Hinterkopf weht gerade ein leichter Zweifel. Der Urlaub ist vorbei und diesmal ist er mir nicht so gut gelungen. Es gab keine große Reise diesen Sommer, also keinen Ortswechsel und damit auch keine Einladung, sich wirklich abzukoppeln. Im Languedoc, auf Lanzarote oder im Villgratental geht das einfacher. Hinzu kamen Einladungen, produktiv zu sein. Die Terrasse durch ein Holzdeck verschönert, die Kinder hier- und dorthin gefahren, „dringende“ Steuergeschichten erledigt – irgendwie ständig „in charge“. Jetzt, am Ende dieser freien Wochen, spüre ich die Herausforderung, die auf mich zu kommt. Es ist so verlockend zuzupacken, in die Daueranspannung zu gehen. Tolle Projekte und Seminare warten. Dabei kenne ich die Folgen von Daueranspannung sehr gut: Dieses Gefühl, keine Zeit mehr für sich zu haben, ein Getriebensein und wenn es schlimmer wird: Reizbarkeit und irgendwie auch der Eindruck, dass es einem am Ende niemand dankt.
Für mich wird es in den nächsten Wochen darum gehen, Kraft und Ruhe gut auszubalancieren. Den Urlaub in den Nischen des Alltags zu entdecken, zu kultivieren, zu hegen und zu pflegen. Achtsam mit mir und meiner Energie umzugehen. Mir immer bewusst zu machen, dass Leistung letztlich nur aus dem Rhythmus zwischen Spannung und Entspannung entstehen kann. Dass ich nicht (nur) für andere lebe, sondern mich auch um mich selbst kümmern muss – und darf.

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